Innovationen - oder besser Try & Error?

geschrieben am 2016-09-25 18:09:00

Neues kann nur entstehen, wenn Altes stirbt – “Kill your darlings” heißt das passende Sprichwort dazu. Haben Sie schon mal gehört, oder? Hinter dieser Redewendung steckt die Annahme, dass es erst dann Raum für neue Ideen und Innovationen gibt, wenn wir bereit sind alte Produkte, Konventionen und Verhaltensweisen sterben zu lassen. Anders ausgedrückt: “Neues entsteht dann, wenn wir bereit sind unsere Komfortzone zu verlassen.” Es kommt hinzu, dass Neues sehr oft eine Zusammenstellung des Alten ist, die anderes kombiniert zu ganz neuen Ansätzen führt. An altem und bewährtem festzuhalten, ist dann wirklich sinnvoll und wertvoll wenn wir erprobte Produkte bzw. Dienstleistungen als Bausteine für neue Geschäftsmodelle begreifen. Die Kombination aus alt und neu ist eine Form von Innovation. Lassen Sie uns das bisher Gesagte an dieser Stelle kurz reflektieren – stimmt das tatsächlich so?

Unsere Wirtschaft bzw. unsere Unternehmen haben heute schon einiges vor der Brust. Digitalisierung (Digitalisierung – oder Leipziger Allerlei ?), Digitale Plattformen (Digitale Plattformen – What?), Industrie 4.0 (Industrie 4.0 – oder alles wird gut?) … um nur einige Buzzwords zu nennen.

Wir leben in einem wirtschaftlichen Umfeld, dass durch zwei dominante Merkmale geprägt ist.

Komplexität und Geschwindigkeit. Um überleben zu können braucht es Ideen und Innovationen. Was gestern gut war und funktioniert hat kann morgen von einem digitalen Tsunami überrollt werden und sprichwörtlich vom Markt gespült werden. Wir sprechen diesbezüglich heute von Disruption. Hört man dieses Wort, steht einem doch im gleichen Augenblick der Angstschweiß auf der Stirn, oder? Die grauen Zellen fangen an zu rattern: “Wir müssen was tun – der digitale Tsunami rollt auf uns zu – wir müssen innovativ sein!”

Jetzt haben wir’s. “Wir müssen innovativ sein!” Geht das auf Zuruf? Braucht es dazu Kreativität? Kann man Innovationen managen? Sind Innovationen prozessgetrieben, also steuerbar? Fragen über Fragen. Fragen schreien nach Antworten. Machen wir uns auf den Weg. Dort, wo wir keine echten Antworten finden, suchen wir nach Lösungsansätzen … so funktioniert vielleicht Innovationsmanagement. Lassen Sie es uns herausfinden.

Sie kennen mich ja mittlerweile und wissen, dass ich ein echter Fan von Wikipedia bin.

Dort steht geschrieben: “Innovationsmanagement ist die systematische Planung, Steuerung und Kontrolle von Innovationen in Organisationen. Im Unterschied zu Kreativität, die sich mit der Entwicklung von Ideen beschäftigt, ist Innovationsmanagement auch auf die Verwertung von Ideen bzw. deren Umsetzung in wirtschaftlich erfolgreiche Produkte bzw. Dienstleistungen ausgerichtet.

Wir erhalten mit dieser Definition schon ganz wichtige Hinweise. Z.B. den Unterschied zwischen Kreativität und Innovation. Kreativität (hier können Sie zum Thema Kreativität nochmals im Detail nachlesen) bringt Ideen hervor und Innovation sorgt mehr oder weniger für die Steuerung der Umsetzung dieser Ideen in den Unternehmen. Lassen wir es einfach erstmal so stehen. Es hört sich ja gar nicht so abwegig an.

Wenn heute von Innovationsmanagement gesprochen wird, ist in der Regel immer einer prozessorientierter Ansatz gemeint. Dahinter steckt die Annahme, dass Innovation einem klaren Ablauf von der Ideengenerierung bis zur Umsetzung folgt. Diese Denke ist in den Köpfen vieler Vorstände, Geschäftsführer und Innovationsverantwortlicher noch immer fest verankert.

Prinzipiell wird der Gedanke zugrunde gelegt, dass es meist nicht unbedingt an Ideen für neue Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen mangelt. Vielmehr scheitert deren systematische Zusammenführung, Bewertung und Priorisierung an ganz unterschiedlichen Hürden wie etwa unklaren Schnittstellen und Informationsflüssen, scheinbar zu hoher Komplexität eines neuen Marktes oder schlicht einer Überflutung mit Informationen.

Bleiben Ideen aus Sicht von Mitarbeitern dann ungenutzt, kann darunter die gesamte Innovationskultur im Unternehmen leiden.

Dem entgegen steht schon die Tatsache, dass gerade kleinere Unternehmen – wenn überhaupt – über vergleichsweise geringe Kapazitäten für den Aufbau und Betrieb eines Innovationsmanagements verfügen.

Es ist deshalb wichtig festzustellen:

Bei einer Innovation handelt es sich nicht nur um eine Idee oder Erfindung, sondern insbesondere um deren Überführung in am Markt erfolgreiche Lösungen. Daraus resultieren Umsatz bzw. Gewinn oder Einspareffekte.

Häufig mangelt es gerade nicht an Ideen für neue Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen. Vielmehr scheitert die tatsächliche Innovation oft z.B. an unsystematischer Bewertung von Ideen, unzureichender Marktaufklärung und Informationsgewinnung oder schlicht der Überflutung mit Informationen. Möglich sind aber auch zu geringe Freiräume bzw. Kapazitäten aufgrund des Tagesgeschäfts oder eine Art Protektionismus auf verschiedenen Führungsebenen.

Es ist somit von entscheidender Bedeutung, Innovationsmanagement nicht auf Kreativmethoden oder eine Anpassung der Unternehmenskultur zu beschränken, sondern das komplexe Zusammenspiel dieser zahlreichen Faktoren zu berücksichtigen. Erst dann finden sich bisher nicht berücksichtigte Mechanismen, um einerseits optimale Rahmenbedingungen und Strukturen für Innovation zu schaffen und andererseits auch operative Maßnahmen wirksam zu gestalten.

Innovationsmanagement

  • Bildquelle: ©IHK Bodensee-Oberschwaben | Innovationsmanagement

Die wesentliche Aussage hinter diesem Schaubild: “Innovationsmanagement ist nicht auf Kreativität oder Ideen einzelner Mitarbeiter beschränkt, sondern erfordert ein komplexes Zusammenspiel von der Unternehmenskultur über systematische Vernetzung bis zu operativen Methoden.” Punkt.

Das ist eine mögliche Sichtweise auf den Themenkomplex. Es stellt sich die Frage, ob dieser Ansatz heute noch die Realität widerspiegelt. Ich wiederhole nochmals kurz die Kernaussage: “Innovationsmanagement ist prozessgetrieben; Organisation, Unternehmenskultur, Außenbeziehungen, Methoden und Wissen bestimmen den Grad der Innovationsfähigkeit bzw. den Grad der Umsetzung von Innovationen.”

Nach gängiger Meinung und neuester wissenschaftlicher Ansätze wird Innovationsmanagement in Zukunft durch zwei wesentliche Treiber geprägt:

  • Die wachsende Bedeutung der Innovationsfähigkeit von Unternehmen und
  • die zunehmende Öffnung von Innovationsprozessen.

Heißt: Innovationsfähigkeit wird zukünftig zur Kernkompetenz von Unternehmen. Sofort verlangen folgende Fragen nach sinnvollen Lösungsansätzen:

  • Wie kann Innovationsfähigkeit gesteigert werden? oder
  • wie können Unternehmen aus ihrer Innovationskultur einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil generieren?

Dazu gibt es zur Zeit mehrere wissenschaftliche Ansätze, die im Prinzip alle in eine eindeutige Richtung tendieren:

“Das Top Management eines Unternehmens muss künftig deutlich mehr Gewicht auf die Entwicklung einer innovationsfördernden Kultur legen.”

Das ist doch mal eine Aussage, meinen Sie nicht? Ich nehme es mal vorneweg – ja das ist eine Aussage und ich identifiziere mich auch damit, aber …

… man muss Widersprüche akzeptieren. Ist so.

Z.B.:

  • Mitarbeiter wünschen sich Kreativität, lehnen sie aber zugleich ab.
  • Kunden wollen Innovationen, mögen aber keine Überraschungen.
  • Fördert Diversität in Teams unbegrenzt Kreativität oder wird sie ab einem bestimmten Punkt kontraproduktiv?
  • und, und, und …

Ohne Mitarbeiter und Führungskräfte, die wirklich leidenschaftlich sind, entstehen keinerlei marktverändernde Innovationen, bestenfalls einige inkrementelle Verbesserungen.

Das Schlagwort lautet “Co-Kreativität”.

Was bedeutet das? Die zunehmende Öffnung von Innovationsprozessen macht es erforderlich, neue Kompetenzprofile von Mitarbeitern zu erarbeiten. Die Entwicklung von Innovationen gemeinsam mit Kunden – ist nichts neues. Viele große Unternehmen, z.B. die Deutsche Bahn, haben damit in den vergangenen Jahren Erfahrungen gesammelt. Co-Kreativität ist dadurch mittlerweile stark professionalisiert und durchaus zu einer ernstzunehmenden Managementdisziplin herangereift; mit klar definierten Faktoren und Zielen, die dafür sorgen, dass Projekte erfolgreich durchgeführt werden.

Der Wettbewerb um Innovationen verschärft zur Zeit ständig. Insbesondere hat der Innovationsstandort Deutschland dadurch mit stark wachsender Konkurrenz zu kämpfen. Darauf müssen wir reagieren.

Wir müssen, wir haben gar keine andere Wahl. Kunden sehen Unternehmen und deren Angebote als Ganzes und haben klare Vorstellungen davon, wie sich Produkte und Dienstleistungen zu einem einzigartigen Kundenerlebnis kombinieren lassen.

Innovation bedeutet deshalb, die Einbindung der Kunden in die Geschäftsmodelle. Innovation ist kaum noch prozessgetrieben – Innovation findet dort statt, wo der Kunde ist. Diesem Wettbewerb muss man sich stellen, um zukünftig erfolgreich zu sein. Das ist eine gewaltige Herausforderung für gewachsene, etablierte Unternehmen, die angenommen werden muss. Heute – nicht morgen.

Lassen Sie mich drei Statements festhalten:

5.1 Konvention und Perfektion sind anti-innovativ

Viele gute Ideen und Innovationen entstehen erst durch intensives und vielfältiges ausprobieren. Der besonders in unseren Landen weit verbreitete Perfektionismus verhindert zuverlässig, dass wir viele Dinge einfach versuchen, stattdessen treiben wir lediglich die erst beste Idee in die Perfektion.

5.2 Wer nachhaltig innovativ sein will, der muss seine Komfortzone verlassen

Es gibt unendlich viele Komfortzonen, die wir in vielen Fällen noch nicht einmal wahrnehmen. Der erste Schritt unsere Komfortzone zu verlassen beginnt schon damit sich vorstellen zu können mit völlig anderen Produkten und Dienstleistungen in völlig neuen Märkten sein Geld zu verdienen – außerhalb der aktuellen Expertise.

5.3 Weiterentwicklungen sind reißende Flüsse zwischen Ihnen und dem rettenden Ufer

Die Angst vor Veränderung ist weiter verbreitet als wir annehmen. So sinnvoll wie Weiterentwicklungen bestehender Produkte bzw. Dienstleistungen auch sein mögen, so sehr blockieren sie aber auch echte Innovationen und radikales Neudenken. Warum? Weil sie den Bestandsschutz für den Status Quo übernehmen.

Lassen Sie bitte zum Schluss dieses Video auf sich wirken. Es wirkt futuristisch, spiegelt aber aus meiner Sicht den modernen Innovationsvorgang sehr gut wieder.

Gerne begleiten und unterstützen wir Sie bezüglich der Erarbeitung einer Strategie zum Thema Innovationsmanagement. Nehmen Sie doch unverbindlich Kontakt mit uns auf. Dazu haben Sie alle Möglichkeiten, die das digitale Zeitalter bietet. Gerne unterhalten wir uns mit Ihnen aber auch bei einer Tasse Kaffee persönlich, bei Ihnen oder bei uns im Haus. Wie Sie es wünschen. Aber bitte, …

… bleiben Sie uns bis dahin gewogen.

Thomas Linn
Aus Aitrach - Ihr Thomas Linn